Öffnungsklauseln, die es dem Betriebsrat ermöglichen, Regelungen auszuhandeln, die weniger günstig sind als die in der Vereinbarung auf Branchenebene vorgesehene, um den besonderen Umständen ihres Arbeitgebers Rechnung zu tragen, werden als wichtiges Weg angesehen, um dem System Flexibilität zu bieten. Ein bekanntes Beispiel war der 2004 von der IG Metall unterzeichnete Pforzheimer Vertrag, der später in einen allgemeineren Tarifvertrag zur Arbeitsplatzsicherheit integriert wurde. Dies ermöglicht es dem Betriebsrat, Arbeitszeitverkürzungen und befristete Löhne zu vereinbaren, um Entlassungen zu vermeiden. Der erste Satz der Präambel des Koalitionsvertrages ist eine Verhöhnung der Lebenswirklichkeit der Arbeitnehmer. Darin heißt es: “Sachsen ist ein starker und erfolgreicher Staat, weil die Menschen, die hier leben, mit Mut, Veränderungsbereitschaft und Fleiß ständig vor neuen Herausforderungen stehen und damit dazu beitragen, dass es dem Freistaat heute in vielerlei Hinsicht gut geht”. Wer glaubte, die Asylpolitik würde sich mit dem Einzug der Grünen in die sächsische Regierung ändern, sieht sich im Koalitionsvertrag mit einer anderen Realität konfrontiert. Sogenannte Verbesserungen werden mit vagen Phrasen wie “prüfung”, “Unterstützung” oder “falls erforderlich” beschrieben. Auch die “Unterbringung von Minderjährigen in Vorabschiebehaft”, Familientrennung oder Abschiebung direkt von der Schule oder der Arbeit sei nur “wenn möglich” zu vermeiden. Wie in vielen anderen Bundesländern wird der “freiwilligen Rückkehr” zynisch Priorität eingeräumt, und zu diesem Zweck wird die “Beratung” “verstärkt”. In Einzelfällen werden “Reise- und Neuansiedlungszulagen” gewährt. Der drohende Engpass in der Altersstruktur ist eine direkte Folge der sozialen Konterrevolution nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Wiedereinführung des Kapitalismus durch die SED/PDS, die stalinistische Vorgängerorganisation der Linkspartei. Der Exodus aus dem Osten und die gleichzeitige Halbierung der Geburtenrate, die erst vor einigen Jahren wieder auf das Niveau vor der Wiedervereinigung zurückkehrte, hatten dramatische Folgen für die gesamte Gesellschaft. Der bevorstehende Weggang Zehntausender Arbeitnehmer in kritischen Sektoren wie Gesundheit, Pflege, Bildung und Infrastruktur erfordert einen umfassenden, geplanten Ansatz.

Der Koalitionsvertrag enthält jedoch nur kosmetische Änderungen, die alle förderfähig sind. Die IAB-Zahlen enthalten auch Angaben zum Anteil der Arbeitsplätze sowie zum Anteil der Beschäftigten, der durch Tarifverträge abgedeckt ist. Diese zeigen, dass 25 % der Arbeitsplätze durch Vereinbarungen auf Industrieebene und 2 % durch Betriebsvereinbarungen abgedeckt sind.